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Klare Grenzen setzen

  • Autorenbild: Martin Dollhäubl
    Martin Dollhäubl
  • 31. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Klare Grenzen zu setzen hat für viele einen schlechten Ruf.

Es klingt nach Abwehr, nach Härte, nach Abgrenzung um jeden Preis. Nach Mauern statt nach Verbindung.


Für mich ist es das Gegenteil.

Grenzen sind kein Mittel, um andere fernzuhalten. Sie sind ein Weg, bei mir zu bleiben.

Lange Zeit habe ich geglaubt, dass Grenzen trennen. Dass sie Beziehungen gefährden. Dass man tolerant, offen und verständnisvoll sein müsse – auch dann, wenn es innerlich nicht mehr stimmig ist.


Heute weiß ich: Grenzen schützen nicht vor Nähe, sondern ermöglichen sie.

Ohne klare Grenzen entsteht etwas anderes. Anpassung. Zurückhaltung. Ein leises Entfernen von mir selbst, um es für andere leichter zu machen.


Das funktioniert eine Zeit lang. Man wird gemocht. Man eckt nicht an. Man vermeidet Konflikte.

Doch der Preis ist hoch.

Wer seine Grenzen nicht kennt oder nicht setzt, zahlt mit Energie. Mit Klarheit. Mit innerer Ruhe.


Irgendwann zeigt sich das – nicht immer laut, oft subtil. Als Müdigkeit. Als Gereiztheit. Als Gefühl, ständig mehr zu geben, als man eigentlich kann.

Klare Grenzen setzen bedeutet nicht, ständig Nein zu sagen. Es bedeutet, ehrlich zu spüren, wo ein Ja nicht mehr wahr ist.


Es bedeutet, Verantwortung für das eigene innere Erleben zu übernehmen,statt still zu hoffen, dass andere es schon merken werden.

Eine Grenze ist kein Angriff. Sie ist eine Information.

Bis hierher fühlt es sich für mich stimmig an. Und ab hier nicht mehr.


Nicht jeder wird das mögen. Manche Menschen profitieren davon, dass wir keine Grenzen setzen. Andere fühlen sich plötzlich irritiert, wenn wir beginnen, uns ernst zu nehmen.

Das ist unangenehm. Aber es ist ehrlich.

Klare Grenzen sortieren. Nicht aus. Sondern ein.

Sie zeigen, wo echte Begegnung möglich ist –und wo sie nur auf Kosten von Anpassung stattfindet.


Grenzen müssen nicht laut sein. Sie brauchen keine langen Erklärungen. Oft reicht ein klarer Satz. Oder ein innerliches Nein, dem man folgt.

Ich habe gelernt, dass Grenzen kein starres Konstrukt sind. Sie verändern sich. Mit Erfahrung. Mit Klarheit. Mit dem Mut, genauer hinzuspüren.


Wer klare Grenzen setzt, wird nicht unnahbar. Er wird greifbarer. Echter. Verlässlicher – auch für sich selbst.

Denn am Ende geht es nicht darum, andere zu kontrollieren. Es geht darum, sich selbst nicht zu verlieren.


Und das ist keine Härte. Das ist Selbstachtung.

 
 
 

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