top of page

Veränderung – Büffel statt Kuh

  • Autorenbild: Martin Dollhäubl
    Martin Dollhäubl
  • 31. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Veränderung wird oft romantisiert.

Als etwas, das man beschließt. Oder als Ergebnis von Mut, Disziplin oder Willenskraft.


Meine Erfahrung ist eine andere.

Veränderung beginnt meist dort, wo man aufhört, sich selbst auszuweichen. Wo man beginnt, zu dem zu stehen, was man spürt – auch wenn es unbequem ist.


Ein Bild, das mir dabei immer wieder begegnet, ist das von der Kuh und dem Büffel.

Wenn ein Sturm aufzieht, verhält sich die Kuh instinktiv so, dass sie vor dem Sturm davonläuft. Sie versucht, ihm auszuweichen. Doch weil der Sturm schneller ist, bleibt sie lange in ihm gefangen. Der Versuch, dem Unangenehmen zu entkommen, verlängert den Zustand.


Der Büffel macht etwas anderes. Er läuft nicht weg. Er dreht sich in den Sturm hinein und geht hindurch. Nicht aus Härte, sondern aus Klarheit. Und gerade dadurch ist er schneller wieder auf der anderen Seite.


Für mich ist das kein Aufruf zum Kämpfen. Und auch keiner zur Härte.

Es ist ein Bild für innere Ausrichtung.

Viele Veränderungen scheitern nicht daran, dass wir zu schwach sind. Sondern daran, dass wir uns selbst nicht ernst nehmen. Dass wir unsere Gefühle, unsere Wahrnehmung, unsere Grenzen relativieren, um zu passen. Um Konflikte zu vermeiden. Um Erwartungen zu erfüllen.


Das fühlt sich kurzfristig leichter an. Wie der Weg der Kuh.

Doch langfristig zahlen wir einen Preis. Wir verlieren Klarheit. Wir verlieren Energie. Und oft auch das Gefühl, bei uns selbst zu sein.

Zu sich selbst zu stehen heißt nicht, aggressiv zu werden oder alles durchzusetzen. Es heißt, innerlich nicht mehr wegzulaufen. Hinsehen, wo es zieht. Spüren, was nicht stimmig ist. Und das ernst zu nehmen.


Der Büffel steht nicht für Lautstärke. Er steht für Präsenz.

Veränderung entsteht dort, wo wir bereit sind, uns selbst zu begegnen –auch dann, wenn das Bild, das wir von uns haben, ins Wanken gerät.

Auch dann, wenn andere damit nicht umgehen können.


Nicht jeder Sturm muss sofort durchquert werden. Und nicht jede Situation verlangt Entscheidung oder Handlung.

Aber Veränderung beginnt in dem Moment, in dem wir aufhören, vor uns selbst davonzulaufen.


Du musst nichts werden, um richtig zu sein. Aber du darfst aufhören, jemand anderes zu sein, um dazuzugehören.

Manche Menschen werden dich genau so mögen, wie du bist. Andere gerade deshalb. Und manche werden gehen.

Das ist kein Zeichen von Scheitern. Das ist der natürliche Preis von Ehrlichkeit.


Veränderung heißt nicht, alles anders zu machen. Sie heißt, sich nicht mehr zu verlassen.

Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen Kuh und Büffel: Nicht Mut gegen den Sturm –sondern die Entscheidung, bei sich zu bleiben, während er vorbeizieht.

 
 
 

Kommentare


bottom of page