Zu sich selbst stehen
- Martin Dollhäubl

- 25. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Jeder Mensch trägt eigene Ideen, Gefühle, Erwartungen und Werte in sich. Und doch verbringen viele von uns einen großen Teil ihres Lebens damit, diese inneren Stimmen leiser zu drehen, um besser zu passen.
Um nicht anzuecken. Um akzeptiert zu werden. Um dazuzugehören.
Sich zu verbiegen funktioniert. Zumindest kurzfristig.
Es ist oft der einfachere Weg. Man sagt Ja, obwohl man Nein meint. Man hält sich zurück, obwohl man etwas ausdrücken möchte. Man passt sich an, obwohl sich etwas innerlich dagegen sträubt.
Und eine Zeit lang fühlt sich das sogar gut an. Ruhiger. Reibungsloser. Konfliktfreier.
Doch dieser Frieden hat einen Preis.
Je öfter wir uns verbiegen, desto weiter entfernen wir uns von uns selbst. Nicht auf einmal, sondern schleichend. In kleinen Entscheidungen. In scheinbar harmlosen Momenten.
Irgendwann merken wir, dass etwas fehlt. Nicht im Außen, sondern im Inneren. Eine leise Unzufriedenheit. Eine Müdigkeit, die sich nicht durch Schlaf beheben lässt.
Was verloren geht, ist nicht die Zustimmung der anderen. Was verloren geht, ist die Verbindung zu uns selbst.
Zu sich selbst zu stehen bedeutet nicht, laut zu sein oder sich ständig durchzusetzen. Es bedeutet auch nicht, keine Rücksicht mehr zu nehmen oder alles kompromisslos zu leben.
Zu sich selbst zu stehen heißt, innerlich ehrlich zu bleiben. Zu spüren, was stimmig ist – und was nicht. Und diese innere Wahrheit ernst zu nehmen.
Das erfordert Mut. Denn nicht jeder wird das mögen.
Manche Menschen werden dich genau so schätzen, wie du bist. Andere vielleicht gerade deshalb. Und manche werden sich abwenden.
Das ist kein Zeichen dafür, dass etwas falsch ist. Es ist ein Zeichen von Klarheit.
Du bist nicht hier, um für alle passend zu sein. Du bist hier, um du selbst zu sein.
Und das Entscheidende ist:
Du musst nichts werden, um genug zu sein.
Du bist es bereits.
Nicht perfekt. Nicht fertig. Aber genug.
Wenn jemand dich nur mag, solange du dich verstellst, mag er nicht dich. Wenn jemand dich nur akzeptiert, solange du funktionierst, geht es nicht um Verbindung.
Es ist in Ordnung, wenn Menschen sich anderswo jemanden suchen, der besser zu ihren Erwartungen passt. Das ist kein Verlust. Es ist eine Klärung.
Du darfst du selbst sein. Mit allem, was dazugehört. Mit Ecken und Kanten. Mit Unsicherheiten und Überzeugungen.
Je mehr du bei dir bleibst, desto ruhiger wird es. Nicht unbedingt im Außen. Aber im Inneren.
Und das ist oft der wichtigste Ort.



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